Das Leben verlernen – Christliche Blogger Community

Das Leben verlernen

Lesedauer: 6min

Wozu uns Jesus aus unseren Routinen herausruft

Leben. Wir haben eine Vorstellung davon, wie das geht. Bis Jesus uns mit auf eine Reise nimmt, die uns verunsichert – und so manches begreifen lässt.
Hey du,
schimmernde Perlmuttknöpfe in ordentlichen Doppelreihen, die sich von der Weste nach unten hin fortsetzen, der schwarze Hut… Markenzeichen der Handwerkszunft.
Vor mir steht ein Zimmermann, er erzählt von der Walz, seiner Wanderung, die alle Zimmermänner und Zimmerfrauen (das nenn ich mal Emanzipazion) bewältigen müssen, um Meister ihrer Zunft zu werden. So ist es zumindest in der Tradition. Warum er auf die Walz gegangen ist, frage ich ihn. Er schaut mich erstaunt an: „Um zu lernen. Schlechte Gewohnheiten ablegen und Neues lernen kann man nur unterwegs“. Seine Worte klingen noch lange nach. Es gibt einen herrlichen Begriff für diejenigen, die auf Wanderschaft gehen: Fremdgeschriebene. „Fremdgeschrieben“ zu sein, bedeutet für den Gesellen, dass er sich der eigenen Heimat – unter der Strafe der Achtung – auf fünfzig Kilometer nicht nähern darf. Er soll das Fremde kennenlernen, die Art, wie andere Zimmermänner arbeiten und andere Kulturen leben. Nach drei Jahren und einem Tag endet die Walz mit der Einheimischwerdung. Nicht selten an einem neuen Ort, in einer neuen Kultur.
Als Jesus die ersten Jünger auf seinen Weg ruft, verspricht er ihnen eine Reise, die nichts anderes ist als eine Walz. Markus berichtet davon in seiner wunderbar knappen und präzisen Art: „Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Fischer, die auf dem See ihre Netze auswarfen, Simon und seinen Bruder Andreas. Jesus sagte zu ihnen: ‚Kommt, folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen.‘ Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“ (Markus 1, 16-18) Zwei Männer bei der Arbeit. Hier ist Fischerromantik fehl am Platz. Wenn es atemlos durch die Nacht ging, dann nicht vom Feiern, sondern vom Arbeite…

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