Warum ist die Ehe für alle unter Christen so ein Streitthema?

Seit langem herrscht in der evangelischen Kirche ein Streit zwischen linksprotestantischen und z.B. pietistischen Strömungen. Ich möchte darauf eingehen, warum das christliche Eheverständnis die Ehe für alle zu diesem Streitthema werden lässt und dass es m.E. bei dem von beiden Seiten so unterschiedlich gedeuteten Begriff der Ehe auch keinen Konsens geben wird.

Für viele Christen hat die Ehe tiefer greifende Bedeutungsdimensionen als es die staatliche Institution hat. Sie ist im christlichen Verständnis nicht nur ein zivilrechtliches Instrument der gegenseitigen Absicherung, eine Anerkennung von Rechten für den jeweiligen Partner oder eine steuerliche Subvention der Wirtschaftsgemeinschaft.

Die katholische Kirche nennt die Ehe ein Sakrament. Sakrament bedeutet, dass in der Ehe ein Stück Himmel, ein Stück Gott bereits im Diesseits sinnlich erfahrbar wird. Diesen Umstand kann man nicht hoch genug betonen. Beim Wort Sakrament sollte man nicht an einen Ritus oder ein kirchenrechtliches Ereignis denken, diese sind nur Bilder. Wo das Wort Sakrament vorkommt, geht es um ein tief mystisches, spirituelles Geschehen, mit unermesslicher geistlicher Bedeutung.

Luther nannte die Ehe „nur“ ein weltlich Ding. Was Luther damit meinte war allerdings, dass die Ehe ein irdisches, aufs Diesseits beschränktes Ding ist … bis der Tod uns scheidet. Rechtlich ist es zudem einer recht weitreichenden staatlichen Regulierung unterworfen, unter diese weltliche Autorität soll sich der Christ integrieren. Wer darin aber eine Neuinterpretation der Ehe verstehen möchte, legt Luther Worte in den Mund, die er so nie geglaubt hat. Luther sah die Grenze weltlicher Macht in der Schöpfungsordnung, die er als naturrechtlichen Rahmen verstand.

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